Johanniskraut kann viel. Bei der Anwendung ist allerdings auch einiges zu beachten. Wir möchten informieren und zu einem richtigen Umgang mit der Heilpflanze beitragen.

  • Wissenwertes zur Pflanze, Hintergründe, allgemeine Informationen
  • Hilfe bei Depressionen und weitere Anwendungsfelder
  • Tipps aus der Praxis und Erfahrungen

Anwendung und Produkte

Anwendung und Produkte

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen

Erfahrungen

Erfahrungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Johanniskaut hebt die Stimmung

JohanniskrautJohanniskraut wird nicht nur von Heilpraktikern und Naturheilkundigen angewendet, auch viele Ärzte verschreiben Präparate mit Johanniskraut. Vor allem bei leichten bis mittelschweren Depressionen wird Johanniskraut oft empfohlen. Das Öl der Heilpflanze kommt bei Schädigungen von Haut, Muskeln, Blutgefäßen oder Knochen zum Einsatz. Je nach Anwendungsgebiet gibt es allerdings einiges zu beachten, da die Einnahme von Heilpflanzen mit Nebenwirkungen verbunden sein kann. Im Handel gibt es zahlreiche Präparate, die damit werben, aufgrund des enthaltenden Johanniskrauts gegen Depressionen und andere Erkrankungen wirksam zu sein. Jedoch bedarf es einer bestimmten Dosierung, damit eine Linderung der Beschwerden eintreten kann.

Bei leichten bis mittelschweren Depressionen wird in der Regel eine Tagesdosis von 850 mg Johanniskrautextrakt empfohlen. Viele Produkte enthalten dagegen Johanniskraut nicht als Extrakt und sind somit wesentlich geringer konzentriert – 850 mg Extrakt entsprechen ca. 4250 mg Johanniskraut. Hier sollte man genau auf die Kennzeichnung achten.

Johanniskraut gibt Sonnenenergie

Johanniskraut, mit botanischem Namen Hypericum perforatum, wird im Volksmund auch Elfenblutkraut, Herrgottblut, Jesuswundenkraut oder Johannisblut genannt. Diese Namen entstanden, da beim Zerreiben der gelben Blüten zwischen den Fingern ein blutroter Saft austritt.

Hypericum perforatum auf der Wiese

Wissenswertes über die Pflanze

Das Johanniskraut ist vor allem in Europa, aber auch in Westasien zu finden. Hier wächst es bevorzugt in lichten Wäldern, an Rändern von Wegen oder Feldern. Die Pflanze wird bis zu 90 Zentimeter hoch und zählt zu den Staudengewächsen. Vom zweikantigen Stängel gehen die sich gegenüberliegenden eiförmigen Blätter ab. In ihnen befinden sich Öldrüsen, die das ätherische Öl des Johanniskrauts produzieren. Die Hauptblütezeit des Johanniskraut findet im Hochsommer statt; zu dieser Zeit werden die wertvollen Bestandteile der Heilpflanze geerntet. Bei dem blutroten Saft, der beim Zerreiben der Blütenblätter austritt, handelt es sich um das Hypericin, welches therapeutisch eingesetzt wird.

Wissenschaftlicher Name: Hypericum perforatum
Höhe: bis zu 90 cm
Blütezeit: Juni – August

Wirkung von Johanniskraut

Johanniskraut enthält verschiedene interessante Inhaltsstoffe, wobei die Wirkung dieser im einzelnen noch nicht geklärt ist.

Hypericin wird eine antidepressive Wirkung zugesprochen, Hyperforin wirkt antibiotisch. Hyperosid und Rutosid zählen zu den Flavonoiden und wirken stärkend auf die Blutgefäße, lösen Krämpfe und hemmen Entzündungen; allgemein haben sie eine positive Wirkung bei chronischen Krankheiten. Außerdem lassen sich Gerbstoffe, ätherisches Öl und weitere sekundäre Pflanzenstoffe in dem Heilkraut nachweisen.

Johanniskraut bei Depressionen

Hauptsächlich kommt Johanniskraut bei depressiven Verstimmungen und mittelschweren Depressionen zum Einsatz. Wie die einzelnen Inhaltsstoffe im Zusammenspiel eine Verbesserung der Stimmungslage bewirken, ist bisher unklar. Klar ist, dass durch die Einnahme von Hypericum perforatum das zentrale Nervensystem beeinflusst wird und vermehrt Botenstoffe ausgeschüttet werden. Bei Depressionen ist es häufig zu einem Ungleichgewicht des Stoffwechsels im Gehirn gekommen, welches nun positiv von der Pflanze beeinflusst wird. Zu diesen Botenstoffen zählen Noradrenalin, Serotonin und Dopamin. Bei depressiven Personen wurde im Blut ein verminderter Anteil von Serotonin gemessen; dieser Botenstoff hat einen Einfluss auf das Wohlbefinden, den Schlaf und die allgemeine Antriebslage. Dopamin wirkt bei einem Mangel ebenfalls hemmend auf den Antrieb und beeinflusst außerdem Konzentration und Merkfähigkeit. Noradrenalin hat eine ähnliche Wirkung wie Dopamin und Serotonin: Auch dieser Botenstoff beeinflusst das Gedächtnis und die Aufmerksamkeit. Bei einem Mangel stellt sich außerdem häufig ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus ein.

Hilfe bei Depressionen

Eine häufig unerwünschte Nebenwirkung von Johanniskraut scheint bei Depressionen von Nutzen zu sein und so quasi von der Natur wohl überlegt. Bei der Einnahme tritt häufig eine gesteigerte Empfindlichkeit der Haut gegenüber Sonnenlicht und UV-Strahlen ein. Da Depressionen aber häufig in Zusammenhang mit einem Lichtmangel gebracht wird, wie er in der kalten Jahreszeit auftritt und damit einhergehenden Störungen der Melatonin-Produktion, scheint die Lichtempfindlichkeit der Haut diese Störungen zu kompensieren.

Zahlreiche Studien befassen sich mit der Wirksamkeit von Johanniskraut bei Depressionen und führten zur Aufnahme des Mittels in offizielle medizinische Leitlinien.

Hypericum gegen Unruhe

Hypericum wird aber nicht nur bei leichten bis mittelschweren Depressionen eingesetzt. Auch bei innerer Unruhe, Ängsten oder anderen Beschwerden der Psyche, die zum Beispiel während der Wechseljahre oder nach einer Geburt auftreten, kommt Johanniskraut zum Einsatz. Weitere mögliche Einsatzgebiete sind Krankheiten, die ihren Ursprung in der Psyche haben, sich jedoch körperlich bemerkbar machen. Hierzu zählen zum Beispiel bestimmte Formen von Kopfschmerzen, Reizdarm oder Reizblase. Auch bei prämenstruellen Beschwerden kann eine Therapie mit Johanniskraut hilfreich sein. Traditionell wurde es außerdem bei Husten, Beschwerden der Gallenblase und Befall des Darms mit Würmern angewendet.

Geschichtliches

Das Johanniskraut ist eine Heilpflanze mit einer mehr als zweitausendjährigen Tradition und wechselvoller Geschichte.

Antike Heilpflanze

Schon in der antiken griechischen und römischen Welt wurde Johanniskraut als Heilpflanze verehrt und verwendet. Plinius der Ältere beschrieb in seinem Werk „Historia Naturalis“ das Kraut als Medizin bei Verbrennungen. Im 1. nachchristlichen Jahrhundert erwähnte der griechische Arzt Dioskurides bereits eine breitere Anwendung. Vier Unterarten der Heilpflanzen wurden dort aufgeführt, die verschiedene Beschwerden bessern konnten.

Mittelalterliches Kraut zur Teufelsaustreibung

Die positive Wirkung von Johanniskraut bei psychischen Erkrankungen war in der Antike noch nicht bekannt. Eine Linderung bei Lungenerkrankungen und inneren Eiterungen wurde jedoch festgestellt. Noch Jahrhunderte galten alle Arten seelischer Störungen als Krankheiten, die vom Teufel bewirkt wurden oder durch Hexerei entstanden. Erst im Mittelalter wurde die Heilwirkung bei Depressionen und anderen psychischen Störungen entdeckt. Johanniskraut wurde deshalb oft als Teufelsaustreiber oder Hexenkraut bezeichnet. Die Legende besagte, der Teufel habe die Verehrung und Heilwirkung der Pflanze zerstören wollen und deshalb mit einer Nadel in ihre Blätter gestochen. Die kleinen dunklen Punkte, die sichtbar werden, wenn das Blatt gegen das Licht gehalten wird, seien darauf zurückzuführen.

Im 16. Jahrhundert schilderte der Arzt Paracelsus in seinem Buch „Von den natürlichen Dingen“ die Heilpflanze als Kraut gegen „dollmachende Geister“. In seinem Buch „Botanica in originali“ schrieb im 18. Jahrhundert auch der Botanik- und Medizinprofessor Hieronymus Kniphof über die Wirkung von Johanniskraut, es helfe gegen melancholische Gedanken und Schwindel. Im Volksglauben blieb die Pflanze als Bestandteil der Kräuterbüschel an Maria Himmelfahrt erhalten.

Dornröschenschlaf der Heilpflanze

Wie viele Heilpflanzen teilte das Johanniskraut das Schicksal, im Zuge der chemischen Arzneimittelherstellung vergessen zu werden. Im 19. Jahrhundert verschwand das Heilkraut schließlich völlig aus den Medizinbüchern. Ein kurzes Aufflackern des Wissens über die antike Heilpflanze gab es in der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Sie schaffte 1941 sogar wieder die Aufnahme in das Ergänzungsbuch des Deutschen Arzneibuchs, doch bereits in der nächsten Auflage fiel sie der Streichung zum Opfer. Der Dornröschenschlaf von Johanniskraut währte bis 1979. Da erstand sie wieder auf und durfte sich im Deutschen Arzneimittelkodex in die Liste der anderen alten Heilpflanzen einreihen.