Johanniskraut wird nicht nur von Heilpraktikern und Naturheilkundigen angewendet, auch viele Ärzte verschreiben Präparate mit Johanniskraut. Vor allem bei leichten bis mittelschweren Depressionen wird Johanniskraut oft empfohlen. Das Öl der Heilpflanze kommt bei Schädigungen von Haut, Muskeln, Blutgefäßen oder Knochen zum Einsatz. Je nach Anwendungsgebiet gibt es allerdings einiges zu beachten, da die Einnahme von Heilpflanzen mit Nebenwirkungen verbunden sein kann. Im Handel gibt es zahlreiche Präparate, die damit werben, aufgrund des enthaltenden Johanniskrauts gegen Depressionen und andere Erkrankungen wirksam zu sein. Jedoch bedarf es einer bestimmten Dosierung, damit eine Linderung der Beschwerden eintreten kann.
Johanniskaut hebt die Stimmung
Johanniskraut gibt Sonnenenergie
Johanniskraut, mit botanischem Namen Hypericum perforatum, wird im Volksmund auch Elfenblutkraut, Herrgottblut, Jesuswundenkraut oder Johannisblut genannt. Diese Namen entstanden, da beim Zerreiben der gelben Blüten zwischen den Fingern ein blutroter Saft austritt.
Wissenswertes über die Pflanze
Das Johanniskraut ist vor allem in Europa, aber auch in West-Asien zu finden. Hier wächst es bevorzugt in lichten Wäldern, an Rändern von Wegen oder Feldern. Die Pflanze wird bis zu 90 Zentimeter hoch und zählt zu den Staudengewächsen. Vom zweikantigen Stängel gehen die sich gegenüberliegenden eiförmigen Blätter ab. In ihnen befinden sich Öldrüsen, die das ätherische Öl des Johanniskrauts produzieren. Die Hauptblütezeit des Johanniskraut findet im Hochsommer statt; zu dieser Zeit werden die wertvollen Bestandteile der Heilpflanze geerntet. Bei dem blutroten Saft, der beim Zerreiben der Blütenblätter austritt, handelt es sich um das Hypericin, welches therapeutisch eingesetzt wird.
Wirkung von Johanniskraut
Johanniskraut enthält verschiedene interessante Inhaltsstoffe, wobei die Wirkung dieser im einzelnen noch nicht geklärt ist. Hypericin wird eine antidepressive Wirkung zugesprochen, Hyperforin wirkt antibiotisch. Hyperosid und Rutosid zählen zu den Flavonoiden und wirken stärkend auf die Blutgefäße, lösen Krämpfe und hemmen Entzündungen; allgemein haben sie eine positive Wirkung bei chronischen Krankheiten. Gerbstoffe, ätherisches Öl und weitere sekundäre Pflanzenstoffe lassen sich außerdem im Johanniskraut nachweisen.
Johanniskraut bei Depressionen
Hauptsächlich kommt Johanniskraut bei depressiven Verstimmungen und mittelschweren Depressionen zum Einsatz. Wie die einzelnen Inhaltsstoffe im Zusammenspiel eine Verbesserung der Stimmungslage bewirken, ist bisher unklar. Klar ist, dass durch die Einnahme von Johanniskraut das zentrale Nervensystem beeinflusst wird und vermehrt Botenstoffe ausgeschüttet werden. Bei Depressionen ist es häufig zu einem Ungleichgewicht des Stoffwechsels im Gehirn gekommen, welches nun positiv vom Johanniskraut beeinflusst wird. Zu diesen Botenstoffen zählen Noradrenalin, Serotonin und Dopamin. Bei depressiven Personen wurde im Blut ein verminderter Anteil von Serotonin gemessen; dieser Botenstoff hat einen Einfluss auf das Wohlbefinden, den Schlaf und die allgemeine Antriebslage. Dopamin wirkt bei einem Mangel ebenfalls hemmend auf den Antrieb und beeinflusst außerdem Konzentration und Merkfähigkeit. Noradrenalin hat eine ähnliche Wirkung wie Dopamin und Serotonin: Auch dieser Botenstoff beeinflusst das Gedächtnis und die Aufmerksamkeit. Bei einem Mangel stellt sich außerdem häufig ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus ein.
Eine häufig unerwünschte Nebenwirkung von Johanniskraut scheint bei Depressionen von Nutzen zu sein und so quasi von der Natur wohl überlegt. Bei der Einnahme von Johanniskraut tritt häufig eine gesteigerte Empfindlichkeit der Haut gegenüber Sonnenlicht und UV-Strahlen ein. Da Depressionen aber häufig in Zusammenhang mit einem Lichtmangel gebracht wird, wie er in der kalten Jahreszeit auftritt und damit einhergehenden Störungen der Melatonin-Produktion, scheint die Lichtempfindlichkeit der Haut diese Störungen zu kompensieren.
Hypericum gegen Unruhe
Hypericum wird aber nicht nur bei leichten bis mittelschweren Depressionen eingesetzt. Auch bei innerer Unruhe, Ängsten oder anderen Beschwerden der Psyche, die zum Beispiel während der Wechseljahre oder nach einer Geburt auftreten, kommt Johanniskraut zum Einsatz. Weitere mögliche Einsatzgebiete sind Krankheiten, die ihren Ursprung in der Psyche haben, sich jedoch körperlich bemerkbar machen. Hierzu zählen zum Beispiel bestimmte Formen von Kopfschmerzen, Reizdarm oder Reizblase. Auch bei prämenstruellen Beschwerden kann eine Therapie mit Johanniskraut hilfreich sein. Traditionell wurde Johanniskraut außerdem bei Husten, Beschwerden der Gallenblase und Befall des Darms mit Würmern angewendet.
Johanniskrautöl bei Verletzungen
Obwohl das Öl von der gleichen Pflanze stammt wie das Kraut, wird Johanniskrautöl bei anderen Beschwerden eingesetzt. Äußerlich kommt es bei Muskelschmerzen, Traumata und Verletzungen zur Anwendung. Durch die verschiedenen enthaltenen Wirkstoffe kommt es durch das Johanniskrautöl zu einer Steigerung der Durchblutung und Linderung der Schmerzen – besonders bei blauen Flecken, Verstauchungen und Prellungen. Das Hyperforin hat außerdem eine antivirale und antibakterielle Wirkung, auch gegen multiresistente Staphylokokken (MRSA), die unter anderem zu schwer behandelbaren Entzündungen von Geweben führen können. Zusammen mit den Flavonoiden werden Entzündungen gehemmt.
Regelmäßig eingerieben oder auf Mullkompressen aufgetragen, soll das rote Johanniskrautöl auch bei Krampfadern helfen, da Gerbstoffe enthalten sind, die ein Zusammenziehen der Blutgefäße bewirken. Gleichzeitig wirkt es vorbeugend gegen Geschwüre, die aufgrund von Durchblutungsstörungen häufig im Zusammenhang mit Krampfadern entstehen. Auch andere Hautbereiche, die stark beansprucht werden oder zur Bildung von Geschwüren neigen, können mit Johanniskrautöl behandelt werden.
Wunden, selbst wenn sie infiziert sind, sollen ebenfalls durch eine Behandlung mit Johanniskrautöl profitieren. Auch Verbrennungen ersten Grades sowie leichte Sonnenbrände sprechen auf Johanniskrautöl an.
Johanniskrautöl innerlich angewendet
Johanniskrautöl kann ebenso wie das Kraut innerlich eingenommen und angewendet werden. Die Indikationen unterscheiden sich allerdings grundlegend. So zeigt sich eine schmerzlindernde Wirkung sowie eine bessere Wirkung von Schmerzmitteln wie ASS. Da Johanniskrautöl eine entzündungshemmende und wundheilungsfördernde Wirkung hat, ist eine Einnahme auch bei Schleimhautreizungen oder Entzündungen, Geschwüren von Magen und Darm hilfreich.
Nebenwirkungen von Johanniskraut
Johanniskraut ist eine Heilpflanze. Bei allen Mitteln, die eine Wirkung haben, können auch immer Nebenwirkungen auftreten. Bei der Einnahme von Johanniskrautpräparaten kann es zu einer Überempfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht und UV-Strahlen kommen. Wenn möglich sollte man daher intensive Sonnenbäder oder Besuche im Solarium vermeiden, da es sonst leicht zu Verbrennungen der Haut kommen kann; besonders hellhäutige Personen sind hiervon betroffen. Auch Beschwerden des Magen-Darm-Traktes sind möglich. Wenn die Dosierung nicht richtig eingestellt ist, kann es bei der Einnahme von Johanniskraut außerdem zu Müdigkeit oder verstärkter Unruhe kommen. Johanniskraut beeinflusst außerdem die Wirkung von hormonellen Verhütungsmitteln, wie die Pille. Während des Einnahmezeitraums ist daher zusätzlich mit Kondom, Diaphragma oder ähnlichem zu verhüten, wenn eine Schwangerschaft vermieden werden soll.
Gegenanzeigen der Einnahme
Johanniskraut sollte nicht eingenommen beziehungsweise angewendet werden, wenn eine Allergie dagegen bekannt ist, da es sonst zu schweren allergischen Reaktionen kommen kann. Aufgrund einer möglichen Überempfindlichkeit auf Licht sollte Personen, die bereits vor der Einnahme von Johanniskraut schnell zu Sonnenbränden neigen, besser auf ein alternatives Präparat ausweichen, da es sonst gerade in den Sommermonaten zu Reaktionen der Haut kommen kann. Personen, die Blutverdünner vom Cumarin-Typ einnehmen, sollten auf Johanniskraut verzichten, da es die Wirkung abschwächen kann. Auch bei Patienten, die mit Ciclosporin auf eine Transplantation vorbereitet werden, Digoxin gegen Herzschwäche einnehmen oder sich in einer Anti-HIV-Therapie befinden, kann es zu einer Beeinflussung der Medikamente kommen, so dass diese nicht wie gewohnt wirken.
Johanniskraut Produkte anwenden
Auf dem Markt gibt es zahlreiche Produkte, in denen Johanniskraut enthalten ist. Johanniskraut ist als Tee, als Tinktur oder als ätherisches Öl erhältlich. Auch in Salben oder Cremes ist die Heilpflanze verarbeitet. Wer die Behandlung mit Johanniskraut möglichst einfach gestalten will, wählt ein Fertigarzneimittel, in dem Johanniskraut alleine oder in Kombination mit anderen Heilpflanzen zur Wirkung kommt.
Risiken der Eigenbehandlung
Bekannt sind vor allem Johanniskraut-Produkte, die zur Behandlung von leichten bis mittelschweren Depressionen empfohlen werden. Hier ist allerdings bei der Eigenbehandlung Vorsicht geboten. Zum einen sind depressive Personen häufig antriebslos und nehmen ihre Medikamente daher unter Umständen nicht regelmäßig ein. Zum anderen ist es für den Laien nicht leicht zu erkennen, wann nur eine depressive Verstimmung vorliegt oder wann eine mittelschwere Depression in eine schwere abrutscht und so eine ärztliche Behandlung nötig wird. Auch andere Erkrankungen, wie zum Beispiel die Schizophrenie, können mit Symptomen einhergehen, die denen einer Depression ähnlich sind. Bei Beschwerden, die länger als ein paar Tage dauern und das Leben des Erkrankten beeinträchtigen, ist es daher ratsam, bei einem Arzt vorstellig zu werden.
Fertigpräparate bei Depressionen
Zur Behandlung von Depressionen wählen Betroffene häufig Fertigpräparate, die in der Apotheke erhältlich sind. Bei den so genannten Monopräparaten ist Johanniskraut das einzig enthaltene Mittel; bei Kombipräparaten kommen weitere Heilpflanzen, wie Hopfen, Melisse oder Passionsblume, zum Einsatz, die die Wirkung von Johanniskraut ergänzen beziehungsweise verstärken sollen. Damit Johanniskraut bei Depressionen ausreichend helfen kann, werden je nach Ausprägung der Erkrankung zwischen 300 und 1000 Milligramm des verarbeiteten Trockenextrakt als tägliche Dosis empfohlen.
Präparate mit Johanniskraut, die in Apotheken erhältlich sind, heißen zum Beispiel Helarium®, Cesradyston®, Neuroplant® oder Esbericum®. Sie sind Monopräparate, das heißt Johanniskraut ist als alleiniger Wirkstoff enthalten. Ein Kombinationspräparat ist unter anderem Neurapas® balance, welches Johanniskraut, Baldrianwurzel und Passionsblumenkraut enthält. Die Wirkstoffe ergänzen und unterstützen sich in ihrer Wirkung. Da sie allerdings in niedrigerer Konzentration pro Tablette enthalten sind, ist die tägliche Dosis höher. Außerdem müssen bei Kombinationspräparaten Neben- und Wechselwirkungen der weiteren Wirkstoffe beachtet werden.
Behandlung und Dosierung
Bei der Dosierung einer Eigenbehandlung kann es schwierig sein, die passende Tagesration zu finden, wenn die Schwere der Erkrankung nicht richtig eingeschätzt wird. Bei zu niedrigen Gaben bleibt die erhoffte Wirkung aus, bei einer Überdosierung kann es zu unangenehmen Nebenwirkungen, wie Unruhe, Beschwerden im Magen-Darm-Trakt oder Müdigkeit, kommen. Bis das Johanniskraut seine volle Wirkung entfalten kann, vergehen in der Regel vier bis sechs Wochen. Kommt es in diesem Zeitraum zu keiner oder nur geringfügigen Verbesserung des Zustandes, sollten die Betroffenen einen Arzt aufsuchen.
Tee mit Johanniskraut
Johanniskraut-Tee ist zur Behandlung von Depressionen kaum geeignet. Um diese Erkrankung mit Johanniskraut positiv zu beeinflussen, benötigt man täglich eine Menge von bis zu 1.000 Milligramm Johanniskraut-Trockenextrakt. Da in einer Tasse sich nur ein geringfügiger Anteil davon befindet, kann man die notwendige Dosierung auf diesem Weg nicht erreichen. Hierfür sind Fertigarzneimittel notwendig. Wem der leicht bittere Geschmack allerdings zusagt oder bei Magen-Darm-Entzündungen zusätzlich zu anderen Medikamenten die Beschwerden lindern möchte, kann sich ein bis zwei Tassen Johanniskraut-Tee täglich aufbrühen. Das Kraut wird dazu mit kochendem Wasser übergossen und zieht dann zehn Minuten. Das Johanniskraut sollte in der Apotheke gekauft werden, da die Qualität hier in der Regel höher ist als in Drogerien oder Supermärkten. Lose Tee-Drogen sind abgepackten Teebeuteln vorzuziehen.
Johanniskraut zum Einreiben
Johanniskraut, welches in Cremes oder Salben enthalten ist, kommt bei der Anwendung von Muskelkater, Prellungen, blauen Flecken, Krampfadern oder zur vorbeugenden Behandlung strapazierter Hautbereiche zum Einsatz. Beim Kauf sollte man darauf achten, dass der Anteil des ätherischen Öls möglichst hoch ist, um eine zufrieden stellende Wirkung zu erreichen.
Auf Produkte, die Vaseline oder Paraffinum liquidum enthalten, sollte man möglichst verzichten. Diese legen sich wie eine Schicht auf die Haut und verhindern, dass die Haut frei atmen kann; die Wundheilung könnte dadurch verzögert werden. Da die meisten Menschen jedoch neutral auf Paraffinum liquidum reagieren, wird es häufig in Cremes und Salben verwendet.
Johanniskraut Creme selbst herstellen
Wer im Handel keine hochwertige Creme findet, die Johanniskrautöl enthält, kann sich auf einfachem Weg seine eigene Creme herstellen. Besonders Sheabutter eignet sich hierfür, da sie heilende und pflegende Eigenschaften besitzt. Einige Tropfen des Johanniskrautöls wird der erhitzten und verflüssigten Sheabutter hinzugefügt. Je nach Bedarf kann weiteres Öl mit pflegenden Eigenschaften wie Mandelöl hinzu gegeben und verrührt werden. Unter gelegentlichem Umrühren kann die Masse nun erkalten.



